Auf der Spur der Braaker Mühle.
Die Braaker Mühle wurde 1850 gebaut und ist heute die einzige noch betriebene Windmühle in Stormarn. Die seit 1983 unter Denkmalschutz stehende Mühle wurde als Galerieholländer gebaut, als achteckige Ständermühle nach Holländer Art. Das hatte den Vorteil, dass sie widerstandfähiger bei starkem Wind ist. Der Müllergeselle und Zimmermann Friedrich August Reimers erwarb 1849 das Grundstück auf dem Röthberg, errichtete die Mühle und betrieb sie acht Jahre lang, dann ging er in die Insolvenz.
Sein Nachfolger wurde 1859 in einer Versteigerung Carl Lessau, seitdem ist die Mühle in der Familie geblieben. Drei Generationen lang führte ein Carl Lessau den Betrieb, der dritte Carl starb 1978, sodass die Mühle an seine Söhne Werner und Günther fiel. Günther führte den landwirtschaftlichen Betrieb weiter und Werner die Großbäckerei, starb aber schon vier Jahre später. Heute stehen Tim Lessau und sein Bruder Mark, Söhne von Joachim und Maren Lessau, in sechster Generation an der Spitze des Familien-Unternehmens und haben es nach dem Neubau der Bäckerei 2025 weiter ausgebaut.
Tim Lessau geht dabei zurück in die Zukunft: Im Zuge des Umbaus zum Mühlencafé schafft der Geschäftsführer der ›Braaker Mühle‹ zum einen einen zeitgemäßen Treffpunkt, zum anderen wollte er die historische Mühle von 1850 möglichst originalgetreu erlebbar machen. Für den Umbau haben Tim Lessau und die Denkmalschutzbehörden eng zusammengearbeitet. Denkmalschutz und Unternehmer hatten dabei dasselbe Ziel: Sie wollten beide die historische Mühle möglichst originalgetreu erhalten. So sollten alte Balken bestehen bleiben und die steile innere Treppe und das alte Mahlwerk wieder besser sichtbar werden.
In den 1970er-Jahren waren zwei Wohnungen und die Müllerstube in das historische Bauwerk eingebaut wurden. Die jüngeren Wände wurden im Zuge der Umbauarbeiten wieder entfernt. Darunter sind alte Balken, ein Fenster, das zugemauert war, und eine frühere Türöffnung zum Vorschein gekommen. Der Umbau trug dazu bei, die ursprüngliche Anlage des Mühlengebäudes erkennbar zu machen, denn die Mühle ist auch ein Museum.
Stark gemacht für den Erhalt der Mühle hatte sich Tim Lessaus Großvater Karl-Heinz Borchert, der 1990 zu dem Zweck den gemeinnützigen Verein ›Braaker Mühle e.V.‹ gegründet hatte – denn seit 1977 hatte das Mahlwerk stillgestanden. Nach einer umfassenden Sanierung vor bald 30 Jahren warf er es wieder an, sodass die Braaker Mühle lebendig blieb. Entscheidend für den Café-Umbau war die Einrichtung von Toiletten, die es jetzt als barrierefreie Behinderten-Toilette im Erdgeschoss und auf dem Mahlboden gibt, dazu kommt ein barrierefreier Zugang auf der Südseite. Schwierig gestaltete sich der Einbau von Brandmeldeanlagen, weil sie auf Staub reagierten. Stattdessen wurde eine thermische Anlage eingebaut, die auf Temperatur reagiert.
Die Mühle dient nicht nur dem Kornmahlen, sondern verfolgt auch einen Kulturauftrag. Für Schul- und Kitakinder gibt es einen Rundgang unter dem Thema ›Vom Korn zum Brot‹. Dabei lernen die Kinder den Weg des Korns bis zum Endprodukt kennen. Außerdem kann man sich in der Windmühle in der einstigen Müllerstube trauen lassen, was seit vielen Jahren gut angenommen wird.
Die Mühle ist neben dem Museum auch Produktionsstandort, denn dort werden die Schrote für die biologischen Vollkornbrote der ›Braaker Mühle‹ gemahlen. Es gibt zwar auch ein elektrisch angetriebenes Mahlwerk, aber vor allem soll das Korn gemahlen werden, wenn die Windmühlenflügel sich drehen. Die Braaker Bäcker setzen auf Eigenversorgung und Naturnähe. Das Wasser für die Zubereitung von Backwaren und Getränken stammt ausschließlich aus einem eigenen Brunnen, Windenergie mahlt das Korn, das komplett aus der Region kommt. Brot, das übrig geblieben ist, wird als geröstete Brotkrumen weiterverwertet.
Probieren kann man alles im Mühlencafé, das sich von dem einstigen kleinen Anbau zu einem Café im Erdgeschoss der historischen Mühle wandelte. 40 Plätze gibt es dort, weitere 20 Plätze ein Stockwerk höher, wo auch geheiratet werden kann. Nach neun Monaten Umbauzeit konnte die neue alte Mühle zu Pfingsten 2025 wieder eröffnet werden.
Der Umbau hat rund 1,6 Millionen Euro gekostet. Von der AktivRegion Sieker Land/Sachsenwald konnten rund 150.000 Euro Fördermittel der Europäischen Union eingeworben werden.*
*Der Text dieses Aufsatzes ist die leicht überarbeitete Fassung eines Artikels der Autorin, der in den
Lübecker Nachrichten, Regionalausgabe Stormarner Nachrichten, vom 27. Mai 2025 erschienen ist.
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